Das Venusberg-Papier der Bertelsmann-Stiftung

Die EU müsse zum weltweit einsatzfähigen Sicherheitsakteur werden, der bis 2015 in der Lage ist, eigenständig, also ohne auf NATO-Strukturen zurückgreifen zu müssen, alle – auch die schwierigsten – Militärmissionen auszuführen. Sie müsse über die volle »militärische Eskalationsdominanz« verfügen und sogar weltweit »präventiv« intervenieren können, um »Terroristen« an »Angriffen auf Europa oder europäische Interessen« zu hindern. […]
Zur Erreichung dieser Ziele sieht das Venusberg-Papier einen politisch-militärisch-industriellen Komplex vor: Solange es keine europäischen außen- und verteidigungspolitischen Entscheidungsstrukturen gibt, soll ein »Trirectoire« aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien die militärisch-operative Führung übernehmen. Die Rüstungsaufträge sollen gleichermaßen an ein rüstungsindustrielles »Trirectoire« gehen: EADS, Thales und BAe Systems sind als »prime contractors« vorgesehen. Dies sind die Konzerne, die 2004, einen Tag vor der Verabschiedung des EU-Verfassungsvertrages, in dem die Rüstungsagentur neben einer Verpflichtung der EU zur Aufrüstung verankert werden sollte, ganzseitige Anzeigen geschaltet hatten: »Eine starke europäische Verteidigungsagentur nützt allen.«
Man fragt sich: Was hat der Bertelsmann-Konzern von einer hochgerüsteten, zu den USA in Konkurrenz tretenden Supermacht EU? Offenbar verspricht er sich Vorteile von militärischer Flankierung bei der Eroberung neuer Märkte. Daneben kann vor allem die Bertelsmann-Tochter Arvato lohnende Geschäfte erwarten.
Quelle: Ossietzky 23/2007, Elke Schenk, Bertelsmann macht Weltpolitik

Wer sich mit den Aktivitäten und mit der Geschichte Bertelsmanns auseinandergesetzt hat, weiß um die Tradition des Hauses und der Stiftung.

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