Ein paar kritische Worte zu Utopia.de und Ivyworld.de

Vor einigen Tagen ging die Website utopia.de online. Laut der Gründerin Claudia Langer konzentriert sich utopia.de auf den so genannten strategischen Konsum. Das Geld der KonsumentInnen als entscheidende Marktmacht soll Unternehmen dazu bringen nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen.
Die Wirtschaftswoche schreibt:

„Strategischer Konsum“, das soll sich jetzt festhaken in der Wahrnehmung einer interessanten Zielgruppe: den kulturell Kreativen, den Neo-Ökos, den sogenannten Lohas, Menschen also, die einen „Lifestyle of Health and Sustainability“ pflegen.
Die treiben – dank hoher Haushaltsnettoeinkommen und hoher formaler Bildung – Marketingchefs großer Unternehmen sekundenschnell die Dollarzeichen in die Augen.

… und nicht nur diesen, denn vor der Anmeldung empfiehlt sich die Utopia AGB zu lesen, die einige interessante Passagen bietet, wie etwa über das Urheberrecht und das Nutzungsrecht der Einträge egal welcher Art, denn diese werden samt und sonders UTOPIA übertragen, räumlich und zeitlich unbegrenzt und

gleich in welcher Form und auf welchem Trägermedium (insbesondere Online, CD-ROM, DVD, Telekommunikations- und Datennetze, Online-Dienste, Datenbankfunktionen und Archivierung) sowie zur Veröffentlichung in Buchform. UTOPIA ist berechtigt, die eingeräumten Nutzungsrechte auch auf Dritte zu übertragen. Eine urheberrechtliche Vergütung wird nicht gezahlt.

Insofern auch ein sehr interessantes Geschäftsmodell mit user-generated Content, wie es im Fachchinesisch heißt. 😉

Ich bin kritisch und das nicht nur wegen der AGB, sondern auch weil es auf eine Konsumhaltung hinweist, die an sozialer Gerechtigkeit weltweit nur am Rande interessiert scheint, sondern eher dazu neigt, sich dem persönlichem Wohlbefinden und spiritueller Selbstverwirklichung zu widmen und nebenbei scheinbar tonnenweise CO2 zu sparen.
Denn Kulturell-Kreative, die auch Utopia-Zielgruppe sein sollen, haben nicht nur einen Blick auf das nachhaltige Produzieren und Wirtschaften, sondern sehen auch, dass die Gesellschaft sich verändern muss, was über eine Konsumrebellion nach Joseph Heath hinausgeht. So fragen sich Kulturkreative zu Recht, ob Utopia nicht ein trojanisches Pferd sei. Es wäre nicht das erste hierbei. Denn Ivyworld.de ist es ja definitv, dazu muss mensch nicht einmal erleuchtet sein.

Wikipedia zu Thomas Morus Utopia

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5 Kommentare zu Ein paar kritische Worte zu Utopia.de und Ivyworld.de

  1. Michalis sagt:

    Zitat: „ob Utopia nicht ein trojanisches Pferd sei. Es wäre nicht das erste hierbei. Denn Ivyworld.de ist es ja definitv, dazu muss mensch nicht einmal erleuchtet sein.“ Ende.

    Woher wissen Sie das bloß? Und warum rufen Sie nicht einfach mal an, bevor Sie sowas schreiben?

  2. Ich finde es gut, dass die Redaktionsleitung Ivyworld.de die Blogosphäre beobachtet und reagiert. Deshalb danke ich Ihnen für Ihren Kommentar. Meine Skepsis beruht darauf, dass sowohl Utopia.de wie auch Ivyworld.de mehr an der Oberfläche des Problems kratzen.

    Wer sich mit den Themen Umweltzerstörung, Klimawandel mit dem Ziel eine bessere Welt zu erschaffen auseinandersetzt, kommt nicht umhin sich Fragen zu stellen wie etwa diese hier:
    Könnte es sein, dass unsere Idee des Wirtschaftens diese erst hervorgerufen oder zumindest gefördert hat?
    Inwieweit hat die Armut der Welt und auch in Deutschland mit unserer Gesellschaft und unserem Lifestyle zu tun?

    Unser Gott ist groß, und das Geld ist sein Prophet. Wir verwüsten die Natur, um ihm Opfer zu bringen. Wir rühmen uns, die Materie unterworfen zu haben, und vergessen, daß die Materie uns versklavt hat. Was für Scheußlichkeiten begehen wir nicht im Namen der Kultur und Zivilisation!
    Kakuzo Okakura

    Kürzer brachte es Mahatma Gandhi auf den Punkt:
    Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

    Kritische Geister vermuten hinter Lohas-Portalen wie Ivyworld.de und Utopia.de eher eine Kommerzialisierung als eine wirkliche nachhaltige Sensibilisierung. Man könnte auch meinen: Wir erleben eine Renaissance des Ablaßhandels.

    Bäume pflanzen, CO2-Zertifikate kaufen u.ä. ist eine moderne Form des Ablaßhandels. Was würde Martin Luther heute für Thesen an die Tür schlagen? Das ist jetzt mal einfach eine Frage, die ich an Sie und meine Besucher weitergebe.

  3. Michalis sagt:

    Wow und danke für die lange Antwort. Und danke für den kritischen Geist, zu viel davon gibt es nicht, so lange er einen nicht daran hindert, überhaupt etwas zu tun. Denn das ist unser Ansatz: etwas tun. Nicht alles, vielleicht nicht perfekt und vielleicht oberflächlich, aber ganz persönlich halte ich Oberflächlichkeit für unterschätzt. Denn sie hat Auswirkungen. Jemand, der sich den ganzen Tag Gedanken darüber macht, was er anzieht, welches Auto er kauft und wohin er in den Urlaub fährt mag oberflächlich sein. Aber die Entscheidungen, die er trifft, ändern potenziell mehr an den Arbeitsbedingungen in der Welt und haben mehr Einfluss auf den Umweltschutz als jeder tiefsinnige Gedanke, den er sich stattdessen machen könnte. Deshalb ist IVYworld.de ein Lifestyle-Portal, keine Umweltschutz-Seite. Wir glauben an zwei Dinge: Jeder kleine Schritt zählt. Und: Für den Planeten ist es erst einmal egal, ob jemand sich nur deshalb umweltfreundlich und sozial verhält, weil es gerade modern ist. Umweltschutz ist wie Höflichkeit, beides funktioniert auch, wenn es nicht von Herzen kommt. Wir wünschen uns mehr als alle anderen, wenn es kein Trend bleibt sondern eine Selbstverständlichkeit wird. Aber wir werden nicht damit warten, etwas zu tun, bis es so weit ist. In diesem Sinne! Liebe Grüße, Michalis

  4. Wir erleben den Ausbruch der Ökoprodukte aus der Nische. Da wundert es nicht, dass pfiffige Geschäftsleute mit dabei sind. Das ist an sich nicht verkehrt, so lange die Spielregeln transparent sind, damit die Ergebnisse nicht kontraproduktiv werden. Im Verhältnis zur Breitenwirkung der neuen Portale sind diese zu wenig Thema einer öffentlichen Debatte. Einen ganz anderen und neuen Ansatz verfolgt das nonprofit-Portal EcoShopper: es listet 80.000 öko-faire Produkte und bringt Transparenz in die Märkte. Damit ist es sowohl grüner Einkaufsführer als auch Suchmaschine. Und stellt sich gerne jeder noch so kritischen Debatte! Meinungsäußerungen und Kritik sind willkommen.

  5. Roderic Schuchart sagt:

    Ich sehe die Thematik mit der Oberflächlichkeit von utopia.de ähnlich, wie der Ersteller dieses Blogs und bedaure es, dass die utopia.de-Redaktion es nicht schafft, sich über den offensichtlichen Grad einer reinen LOHAS-Lifestyle-Community mit Web2.0-Trend-Charakter zur persönlichen Selbstdarstellung (nach dem Motto: „Ich habe dank utopia.de zu Ökostrom gewechselt und alle Tiere und Pflanzen sind jetzt meine Knuddel-Freunde!“).
    Leider werden nach wie vor die Nutzer dieser Community lediglich auf ihr Konsumverhalten reduziert, die in vorgefertigten Profilmasken ihr persönliches Für und Wider zu gewissen Konsumstrategien und (Bio-)Produkten darstellen können.
    Dem ganzen wird derweil ständig der Charakter der angeblichen Weltverbesserung verliehen ohne an den eigentlichen Kernproblemen zu rütteln.
    Ökologisches Bewusstsein wird auf die Themen Atomausstieg, CO2-Verbrauch, Energiesparlampen und Bio-Produkte reduziert… dogmagleiche Slogans einiger selbsternannter Öko-Gurus werden mantragleich nachgeplappert!

    Diese Plattform hätte aufgrund seiner hohen Präsenz in den Medien und seiner allgemeinen Bekanntheit vermutlich durchaus das Potenzial sich zu einer medienpsychologischen Kraft im Sinne einer ernstzunehmenden „Kritischen Masse“ zu entwickeln, kommt aber leider (vielleicht auch durchaus willentlich!) nicht über den nötigen Schwellenwert hinaus und dümpelt leider als „seichte Selbstdarstellungsplattform für öko-affine Lifestyler“ ebenfalls nur im omnipräsenten Web2.0-Social-Community-Universum herum…

    Schade drum!

    Die Problematik mit den AGB’s war mir bisher unbekannt und wird neben den von mir bereits oben erwähnten Kritikpunkten wohl ebenfalls ein Auslöser sein, mich als Nutzer in diesem Betätigungsfeld auf utopia.de zu löschen!

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