Osman Murat Ülke für Zivilcourage ausgezeichnet

Seit 1991 verleiht die IPPNW die Clara-Immerwahr-Auszeichnung an Menschen, die sich trotz persönlicher Nachteile gegen Krieg, Rüstung und für Menschenrechte einsetzen.

Die Clara-Immerwahr-Auszeichnung erhält in diesem Jahr Osman Murat Ülke, der in der Türkei konsequent für sein Recht auf Kriegsdienstverweigerung eintritt und dafür seit Jahren extreme persönliche Nachteile in Kauf nimmt. Am 3. März 2007 wird die IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) die Auszeichnung im Rahmen einer Feierstunde im Georges-Casalis-Saal der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin an Ülkes Stellvertreter Coskun Üsterci überreichen. Für Ülke ist es seit Jahren unmöglich, die Türkei zu verlassen.

Nach mehrjähriger Vorbereitung hatte Ülke 1995 öffentlich seine Kriegsdienstverweigerung erklärt und seinen Wehrpass verbrannt. Weil es in der Türkei kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung gibt, wurde Ülke mehrmals auf Grund von Befehlsverweigerung bzw. Fahnenflucht inhaftiert. Nach seiner Entlassung erhielt Ülke stets die Aufforderung, sich zum Wehrdienst zu melden. Er ließ die Termine verstreichen und nutzte die Verhandlungen vor dem Militärgericht ebenso wie seine Verurteilungen, um die Öffentlichkeit auf den Umgang der türkischen Regierung mit Kriegsdienstverweigerern aufmerksam zu machen. Insgesamt war Ülke 701 Tage inhaftiert. 2006 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die türkische Regierung wegen unverhältnismäßiger Strafverfolgung im Fall Ülke verurteilt. Bisher ohne Folgen: Ülke gilt noch heute als Deserteur und könnte jederzeit verhaftet werden. Der 36jährige Familienvater kann keinen Pass beantragen, kein Konto eröffnen und keine Arbeit annehmen, solange er den Kriegsdienst verweigert.
Quelle: IPPNW.de, Osman Murat Ülke für Zivilcourage ausgezeichnet, 18.01.2007

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