Pressestimmen – 14. – 20.08.2006

Craig Murray, The UK Terror plot: what’s really going on?, 14.08.2006

I have been reading very carefully through all the Sunday newspapers to try and analyse the truth from all the scores of pages claiming to detail the so-called bomb plot. Unlike the great herd of so-called security experts doing the media analysis, I have the advantage of having had the very highest security clearances myself, having done a huge amount of professional intelligence analysis, and having been inside the spin machine.

So this, I believe, is the true story.

None of the alleged terrorists had made a bomb. None had bought a plane ticket. Many did not even have passports, which given the efficiency of the UK Passport Agency would mean they couldn’t be a plane bomber for quite some time.

Viele Beobachter sind davon überzeugt, dass man bei den angeblich geplanten und im letzten Moment verhinderten Heathrow-Attentaten sehr, sehr skeptisch sein müsste. Denn zu sehr passt es in das Konzept: Mit Furcht Menschen von den eigentlichen Ereignissen abzulenken und Punkte zu machen. Erschreckend war Bushs Aussage: This nation is at war with Islamic fascists. Ebenso schockiert kann man über die Idee sein, dass Muslime separat kontrolliert werden müssten, wenn sie fliegen. Wen erinnert das nicht an Zeiten des deutschen Nationalsozialismus? Welcher unheilvolle Weg wird hier eingeschlagen? Und vor allem, wem sind diese Parallelen bewusst? Wissen die Verantwortlichen, dass sie Demokratie und Menschenrechte ad absurdum führen?
Fragen, die auf Antwort warten. Denken Sie selbst nach! Bleiben Sie skeptisch!


taz, Der Provokateur, Philipp Gessler, 14.08.2006

Nach der taz-Veröffentlichung der Briefe von und an Verleger legte Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer noch einmal nach. Er nannte die Position von Verleger öffentlich „abstrus“, es sei eine „absolute Einzelmeinung“. Der Vorwurf, Israel betreibe eine Gewaltpolitik, sei „absurd“. Der Lübecker bediene sich „antiisraelischer Klischees, die durch keine sachlichen Argumente belegt sind“. Direkt an Rolf Verleger gingen ähnlich scharfe, ablehnende Briefe von Jüdinnen und Juden – aber auch einige mit positiver Resonanz. Ein offenbar älterer Jude schrieb: „Ich bin 100 % mit Ihnen einig.“ Und: „Was ich in Auschwitz gelernt habe: Nie so werden wie die Übeltäter, die uns dies antun!“ Ein Jüdin schrieb: „Ich möchte Ihnen für Ihre Courage und Ihre öffentliche Meinung in Bezug auf den Libanonkrieg und die Taten des Staates Israel danken. Ich kann mich jedem Satz anschließen.“ Und über eine kurze E-Mail des Doyens der israelischen Friedensbewegung, Uri Avnery, hat sich Rolf Verleger vielleicht am meisten gefreut: „Lieber Rolf, Danke vom ganzen Herzen. Sie tun eine Mitzwa. Shalom, Uri.“ Mitzwa ist ein gutes, gottgefälliges Werk. […]

Am Freitag wurde Rolf Verleger darüber informiert, dass der Vorstand seiner Lübecker Gemeinde aus Protest gegen seine israelkritischen Aussagen erwägt, seine Entsendung in den Landesverband zurückzuziehen. Damit wäre Rolf Verleger dann de facto sein Amt als Landesvorsitzender los – und seinen Sitz im Zentralrat wohl auch.

Bedauerlich, dass der Zentralrat nicht souveräner mit kritischen Stimmen innerhalb seines Verbandes umgehen kann. Dabei ist die Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch gleichzeitig Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, der den interreligiösen Dialog verstärkt fördern und sich für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Muslimen einsetzen.

Der Brief wurde in der LinksZeitung am 09.08.2006 im Wortlaut dokumentiert. Im peaceblog wurde darauf am 13.08.2006 in Open Letters hingewiesen.


Berliner Zeitung, Israels Politik fördert den Antisemitismus, Interview mit Alfred Grosser, 15.08.2006

Israel müsste Palästinensern und Arabern zeigen, dass es sie nicht verachtet, dass es ihre Menschenwürde respektiert. Das wäre ein Schritt zur Versöhnung. Jeder Krieg entfernt Israelis und Araber davon. […]
Kritik an Israel und Antisemitismus haben nichts miteinander zu tun. Es ist vielmehr Israels Politik, die den Antisemitismus in der Welt fördert. Natürlich gibt es einen latenten Antisemitismus sowohl auf der extrem rechten als auch auf der extrem linken Seite, der dadurch belebt wird. Es ist Israel, das seine Sprache und Haltung verändern muss. Es muss der anderen Seite sagen: Wir schlagen euch Zusammenarbeit vor, wir behandeln euch als ebenbürtig und gleichwertig. Lasst uns gemeinsam und brüderlich zusammen Lösungen suchen. Das klingt sehr moralisch. Aber genauso hat man nach dem 2. Weltkrieg mit den Deutschen angefangen. Anders geht es nicht. Nur so kann man Antisemitismus wirksam begegnen.

Der Publizist Alfred Grosser plädiert für eine israelische Strategie der Versöhnung gegenüber den Arabern. Wie Rolf Verleger in seinem Brief an den Zentralrat der Juden steht er auf dem Standpunkt, dass [konstruktive] Kritik an der aktuellen israelischen Politik nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Alfred Grosser sagt auch: „Opfer gewesen zu sein, hat noch nie jemanden daran gehindert, Henker zu werden.“ Ein nachdenkenswerter Satz!


ZNet Deutschland, Interview zu Israel, Libanon und Palästina, Interview mit Noam Chomsky, 15.08.2006

Die grundlegenden Schritte sind klar: Waffenstillstand und Gefangenenaustausch sowie Rückzug der Besatzungstruppen, Fortsetzung des „nationalen Dialogs“ im Libanon, zudem muss der – sehr breite internationale Konsensus – bezüglich einer Zweistaatenlösung für Israel/Palästina akzeptiert werden. Die Zweistaatenlösung wird von den USA und Israel seit nunmehr 30 Jahren unilateral blockiert. Natürlich gäbe es – wie stets – noch einiges mehr, aber das sind die wesentlichen Punkte.

Diese Antwort gab Noam Chomsky auf die Frage, welche Schritte er empfiehlt, um die aktuellen Feindseligkeiten zu beenden beziehungsweise um einen dauerhaften Frieden zu etablieren. Nicht nur seine Skepsis um einen Frieden im Nahen Osten lässt sich aus dem Interview herauslesen.


Berliner Zeitung, Der vergessene Krieg, Sybille Oetliker, 16.08.2006

Die Menschen haben Angst vor israelischen Angriffen. Das Wirtschaftsleben ist völlig zum Erliegen gekommen. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind auf Hilfe angewiesen, und obschon die Nachfrage angesichts der Verarmung sinkt, steigen die Preise, weil nur noch wenige Produkte die Grenze passieren können. Selbst Kartoffeln sind 250 Prozent teurer geworden, Hühnerfleisch ist ein Luxusprodukt. Die Preise für Zement haben sich verdoppelt. „Mir tun die Leute sehr leid“, sagt Karima Sharafi. Sie arbeitet für Asala, eine Nicht-Regierungsorganisation, die Darlehen für Frauen vermittelt, die ein Geschäft betreiben. Karima Sharafi ist für das Eintreiben der Zinsen zuständig. 98 Prozent der fälligen Beträge würden normalerweise pünktlich bezahlt, sagt sie. Nun aber häufen sich die Schulden. „Die Frauen verkaufen nichts mehr und haben keine Einnahmen“.

Über den Krieg mit Libanon wurde der Krieg im Gaza vergessen. Ob nun im Libanon oder im Gaza oder anderswo – es sind neben alten Menschen vor allem Frauen und Kinder, die leiden und [ver]hungern.


Readers Edition, Christliche Fundamentalisten rüsten für den Endkampf, Andreas Müller, 16.08.2006

“Christliche Fundamentalisten” – das klingt zunächst wie eine kleine Minderheit religiöser Fanatiker, die sich irgendwo unter der modernen, aufgeklärten Gesellschaft verstecken. […]

In den Vereinigten Staaten bezeichnen sich rund 53 % aller Erwachsenen schon heute als Fundamentalisten.[…]

Der Heilsplan der Evangelikalen zur Erzielung eines letzten Gerichts enthält reinen Kapitalismus ohne staatliche Eingriffe, Militarismus inklusive Atomwaffengebrauch und US-amerikanische Weltherrschaft. Begründung: Das alles soll Jesus vorgelebt haben.

Tatsächlich finden sich militaristische Stellen im Neuen Testament – man muss die pazifistischen Passagen allerdings gewollt überlesen und zusätzlich über eine ausufernde Fantasie verfügen, um sie auf die moderne Zeit zu übertragen.[…]

Der Islam ist für fundamentalistische Christen das Werkzeug des Bösen. Ihrer Ansicht nach haben Christentum und Islam keine gemeinsamen Wurzeln. Alle Muslime, die in Länder mit “abendländischer Kultur” eingewandert sind, sollen Teil des “dämonischen Systems” des Islams sein.

In diesem Artikel wird eine von den Medien gerne übersehene Ursache des Kampf gegen den Terror dargestellt: Der ideologische Missbrauch des [christlichen] Glaubens. Dabei ist aus der Geschichte bekannt, dass Glaube gerne für derartige Zwecke missverstanden und so missbraucht wird. Die Macht des Glaubens wird zum Glauben der Macht. Ein mittlerweile weltweit tödlich ausgehender Trugschluss!


London Review of Books, Ihr seid Terroristen, wir sind die Guten, Yitzhak Laor, 17.08.2006

Das militärische Denken ist unsere einzige Denkungsart geworden. Der Wunsch nach Überlegenheit hat sich in die Notwendigkeit gewandelt, die Oberhand zu haben – in allen Aspekten der Beziehungen zu unseren Nachbarn. Die Araber müssen klein gemacht werden, sozial und ökonomisch, man muss sie militärisch zerschmettern – und dann müssen sie uns natürlich als jene heruntergekommenen Gestalten erscheinen, zu denen wir sie erst gemacht haben. Wir sehen die Araber durch die Augen unserer Geheimdienste, die ihr [der Araber] Verhalten ‚übersetzt‘ und interpretiert; aber wir erkennen sie nicht als menschliche Wesen an. […]

Israels Fürsprecher und seine politischen Führer können immer darauf verweisen, dass die USA und Großbritannien sich im Irak ganz ähnlich benehmen. (Es stimmt, Olmert und seine Kollegen hätten sich ohne die USA im Rücken nicht so schamlos verhalten. Hätte Bush nicht das Feuer freigegeben, so hätten sie es nicht gewagt, auch nur einen einzigen Panzer in Marsch zu setzen.) Es gibt aber einen großen Unterschied. Die USA und die Briten gingen in den Irak ohne Rückhalt durch die öffentliche Meinung. Israel aber begann den Libanonkrieg – nach einem Grenzzwischenfall, der als Vorwand für die Zerstörung eines Landes herhalten musste – mit überwältigender Zustimmung der Israelis, einschließlich der Leute aus dem von der europäischen Presse sog. ‚Friedenslager‘. […]

Noch immer gibt es in Israel keine vernünftige Geschichtsschreibung über unsere Aktionen im Libanon. Die Friedensbewegung trug Plakate, auf denen die Zahl 680 geschrieben stand. Das ist die Anzahl der während der Invasion von 1982 getöteten Israelis. Wie viele Mitglieder der einst ansehnlichen Friedensbewegung haben sich über die Zehntausenden Opfer unter den Libanesen, Palästinensern und Syrern aufgeregt? Das Versagen der Friedensbewegung rührt doch daher, dass sie unfähig ist, die Geringschätzung arabischer Menschenleben zu thematisieren. General Uli Adam, einer der Architekten des laufenden Krieges, hat den Israelis gesagt, sie sollten die Toten nicht zählen. Er meinte das ganz ernst, und die Israelis sollten ihn ernstnehmen. Unsere Aufgabe aber sollte es sein, die Toten im Libanon und in Israel zu zählen und, so gut wir es vermögen, ihre Namen festzustellen – alle Namen.

Yitzhak Laor fordert die Friedensbewegung auf, die Geringschätzung arabischer Leben zu thematisieren und sich von dem Einfluss der israelischen Armee auf die israelische Gesellschaft zu emanzipieren. Was mir an diesem Artikel auffiel, Yitzhak Laor erwähnt nicht, dass ausgerechnet einer der Gründer der israelischen Friedensbewegung „Schalom Achschaw“ (Frieden Jetzt), nämlich Amir Peretz, heute israelischer Verteidigungsminister ist und insofern mitverantwortlich für das Leiden und die Toten ist – sowohl in Israel wie auch im Libanon.


FAZ, Frieden – aber noch nicht jetzt, Michael Borgstede, 03.08.2006

Vielleicht fällt „Frieden Jetzt“ die Unterstützung des Krieges leichter, weil einer der Ihren oberster Kriegsherr ist: Verteidigungsminister Amir Peretz war einst Gründungsmitglied von „Frieden Jetzt“ und verpaßte während des ersten Libanonkriegs 1982 kaum eine Friedensdemonstration. Weil Olmert ihm das ersehnte Amt des Finanzministers nicht geben wollte, mußte Peretz nach den Wahlen mit dem Posten des Verteidigungsministers vorliebnehmen. Da hätte sich der einstige Gewerkschaftschef kaum träumen lassen, daß er vier Monate später einen Krieg führen würde. Nach einer etwas holperigen Anfangszeit scheint Peretz sein Amt nun selbstsicherer und souverän auszuüben. Wie es für rechte Politiker leichter zu sein scheint, Frieden zu schließen und besetzte Gebiete zu räumen, so kann ein linker Friedensaktivist im Amt des Verteidigungsministers in Kriegszeiten womöglich leichter Härte zeigen, ohne Bürgermassen gegen sich aufzubringen.

Nach diesem Artikel steht die Frage im Raum: Kann eine Friedensbewegung unter diesen Umständen noch eine Friedensbewegung sein?


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