Kulturell Kreative x

14 Nov 07

Vor einigen Tagen ging die Website utopia.de online. Laut der Gründerin Claudia Langer konzentriert sich utopia.de auf den so genannten strategischen Konsum. Das Geld der KonsumentInnen als entscheidende Marktmacht soll Unternehmen dazu bringen nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen.
Die Wirtschaftswoche schreibt:

„Strategischer Konsum“, das soll sich jetzt festhaken in der Wahrnehmung einer interessanten Zielgruppe: den kulturell Kreativen, den Neo-Ökos, den sogenannten Lohas, Menschen also, die einen „Lifestyle of Health and Sustainability“ pflegen.
Die treiben – dank hoher Haushaltsnettoeinkommen und hoher formaler Bildung – Marketingchefs großer Unternehmen sekundenschnell die Dollarzeichen in die Augen.

… und nicht nur diesen, denn vor der Anmeldung empfiehlt sich die Utopia AGB zu lesen, die einige interessante Passagen bietet, wie etwa über das Urheberrecht und das Nutzungsrecht der Einträge egal welcher Art, denn diese werden samt und sonders UTOPIA übertragen, räumlich und zeitlich unbegrenzt und

gleich in welcher Form und auf welchem Trägermedium (insbesondere Online, CD-ROM, DVD, Telekommunikations- und Datennetze, Online-Dienste, Datenbankfunktionen und Archivierung) sowie zur Veröffentlichung in Buchform. UTOPIA ist berechtigt, die eingeräumten Nutzungsrechte auch auf Dritte zu übertragen. Eine urheberrechtliche Vergütung wird nicht gezahlt.

Insofern auch ein sehr interessantes Geschäftsmodell mit user-generated Content, wie es im Fachchinesisch heißt. ;-)

Ich bin kritisch und das nicht nur wegen der AGB, sondern auch weil es auf eine Konsumhaltung hinweist, die an sozialer Gerechtigkeit weltweit nur am Rande interessiert scheint, sondern eher dazu neigt, sich dem persönlichem Wohlbefinden und spiritueller Selbstverwirklichung zu widmen und nebenbei scheinbar tonnenweise CO2 zu sparen.
Denn Kulturell-Kreative, die auch Utopia-Zielgruppe sein sollen, haben nicht nur einen Blick auf das nachhaltige Produzieren und Wirtschaften, sondern sehen auch, dass die Gesellschaft sich verändern muss, was über eine Konsumrebellion nach Joseph Heath hinausgeht. So fragen sich Kulturkreative zu Recht, ob Utopia nicht ein trojanisches Pferd sei. Es wäre nicht das erste hierbei. Denn Ivyworld.de ist es ja definitv, dazu muss mensch nicht einmal erleuchtet sein.

Wikipedia zu Thomas Morus Utopia

16 Okt 07

Paul H. Rays bekannter Artikel Evolution der integralen Kultur – Die große Synthese beginnt

Heute existieren drei unterschiedliche Ausprägungen von kulturellem Selbstverständnis und Weltanschauung, die als traditionell, modern und transmodern bezeichnet werden können und die jeweils eigene Wertkodizes entwickelt haben. Ich nenne die Träger jener drei Subkulturen die Konservativen, die Modernisten und die Kulturell Kreativen. … Meine zentrale These ist, dass das Neue die Transmoderne sein wird – oder das, was jenseits der Moderne liegt. Das hat weder mit Untergang noch mit Utopie zu tun, aber es deutet auf wichtige Entwicklungen hin, die hier und heute stattfinden. Eine positive Entwicklung der westlichen Welt liegt durchaus im Bereich des Möglichen. … Es ist das Erwachen der Kulturell Kreativen, jener Leute, die sich gut im neuen Informationszeitalter zurechtfinden und welche die meisten Ideen dazu haben, was dem Leben in Amerika gut tun würde.

Johannes Heimraths Artikel Wer lebt den Wandel? für den „Spirituellen Taschenkalender“ 2007 versucht Klarheit in den Begriffsdschungel um die kulturell Kreativen zu bringen. Die kulturell Kreativen, der LOHAS-Markt und die Rettung der Welt ist ein passender Untertitel. Er schildert vier Phasen und zeigt die konkurrierenden Begriffe auf:

Selbstverständlich ist diese Schilderung der vier Phasen, in denen sich das Phänomen der kulturell Kreativen derzeit zeigt, stark überzeichnet und idealisiert. Mit Absicht. Denn es gibt einstweilen mehrere konkurrierende Begriffe, die alle vorgeben, dasselbe zu meinen: Postmoderne, Postmaterialisten, Integrale Kultur, Transmaterialisten … und schließlich
LOHAS. Das Akronym bedeutet „Lifstyles of Health and Sustainability“, was soviel heißt wie „gesundheitsbewusster, nachhaltiger Lebensstil“. LOHAS hat sich in jüngster Zeit zu einem Zauberwort in der Wirtschaft entwickelt: Gesundheit und Nachhaltigkeit als tragende Elemente eines neuen Lebensstils – das ist endlich mal wieder ein neues Zielpublikum, das mit entsprechend designten Produkten und den richtigen Reizwörtern gewonnen werden kann.
Aus dem bisher Gesagten ergibt sich jedoch der wichtigste Unterschied zum kulturkreativen Konzept: LOHAS beschreibt ein Kosumentensegment, während Kulturkreative sich anschicken, zu einer Wertegemeinschaft heranzuwachsen. LOHAS verspricht wachsende Umsätze, die kulturell Kreativen arbeiten an einer gewandelten Welt. LOHAS bewegt die Märkte, die Kulturkreativen haben das Zeug, zur Bürgerbewegung zu werden.

Wer lebt den Wandel? als PDF-Datei.

29 Mrz 06

MAMA-ANARCHIJA.net ist eine Sammlung einführender Texte zu den Themen Anarchismus, Matriarchatsforschung sowie der Kulturell Kreativen und verbindet diese Bereiche inhaltlich.

9 Mrz 06

Vor einigen Jahren erregte ein Buch weltweite Aufmerksamkeit. Samuel Huntington stellte in Kampf der Kulturen die Theorie auf, dass die Weltpolitk des 21.Jahrhunderts vom Konflikt zwischen sieben großen Kulturen beherrscht wird. Der 11.September 2001 und die später darauf begründeteten Kriege der USA scheinen ihm Recht zu geben. Der Kampf der Kulturen äußert sich derzeit zwischen fundamentalistischen religiös begründeten politischen Auffassungen. Auf der einen Seite stehen fundamentalistische Muslims und auf der anderen Seite die derzeit fundamentalistisch christlich motivierte politische USA und ihre Verbündeten. Die Toten beider Seiten sind noch zählbar, aber um die Zahl der unschuldigen Toten schweigt man. Sie geht wohl in die Abertausende. Im Zuge dieses “unheiligen” Krieges wurden weltweit Bürgerrechte eingeschränkt und dank der Massenmedien wurde ein Gefühl der Unsicherheit verbreitet, dass distanziert betrachteten Beobachtern nur ein Schluss übrig bleibt: “Hier sind Ver-rückte aufeinander getroffen, die im Anderen sich selbst bekämpfen.”

Das Ergebnis ist Tod und die Zerstörung der Lebensgrundlagen. Das ist eine Grundregel der Kriegskunst. Es ist eine erstaunliche und paradoxe Tatsache, dass hier erneut unter dem Deckmantel der Freiheit und Wahrheit, Begriffe, die beide Parteien für sich beanspruchen, im Verborgenen auch ein Kampf um den Zugang zu fossilen Energieressourcen geführt wird und gleichzeitig Leben und Lebensgrundlagen teilweise unwiederbringlich zerstört werden. Wer jetzt noch hier Vernunft auf einer Seite sieht, der sollte über das Wesen eines Krieges nachdenken. Wer kämpft, kann nur Terror und Tod säen, aber keinen Weizen, Reis oder Mais. Die Ängstlichen und Flüchtenden ernten nur Hunger, Leid und Tod. Ein Krieg ist insofern nie gerecht, weder zu den Siegern noch zu den Besiegten.

Krieg ist kein Mittel, um Konflikte zu beenden. Krieg ist allerdings eine teure und leidvolle Möglichkeit Konflikte zu unterdrücken. Daneben lässt sich gut zuhause von den eigentlichen Problemen ablenken. Neben der Rüstungsindustrie freuen sich auch viele andere Industrien über zusätzliche Aufträge und Gewinne. Kulturkreative haben schon zu allen Zeiten diese Mechanismen durchschaut und deshalb das Gespräch, den Dialog bevorzugt. Im “Palaver” lässt sich eher eine befriedigende Lösung für alle Seiten finden. Gewalt ist ein Irrtum der Menschheitsgeschichte – der Profit daraus ebenso.

Zurück zu Samuel Huntington, denn er hat schon durchaus Recht, wenn er von einem Kampf der Kulturen spricht. Aber er irrt sich bei der Identifikation der Kulturen und bei seiner Definition von Kampf der Kulturen. Sein Kampf der Kulturen ist ein Kampf der Nebenschauplätze, die sich Mächtige geschaffen haben, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Der wirkliche Kampf der Kulturen findet schon seit 5000 Jahren statt. Die Mittel dieses Kampfes sind wie üblich ungerecht verteilt, aber es balanciert sich zugunsten der Kulturkreativen, der Friedfertigen aus, da das Versagen der üblichen Mittel und Methoden immer offensichtlicher und vor allem spürbarer wird. Die “Waffen” richten sich gegen die “waffentragenden” Mächtigen selbst und vernichten sie in ihrem scheinbaren Fortschritt, während die Kulturkreativen die Kraft der Gegner zu nutzen wissen und ihre “scheinbare” Ohnmacht in Kraft umwandeln. Womit der Kampf beim Namen genannt wird: Kampf der Machtvorstellungen

Im Sinne einer zutiefst demokratischen Idee hat keiner das Recht, Macht über jemanden anderen auszuüben. Das Problem der Menschheit seit Jahrtausenden ist einfach die Idee fixe der Macht, der Kontrolle über Andere dank Stärke, Land, Geld oder auch Wissen. Eine daraus für den anderen postulierte Freiheit kann keine Freiheit im ursprünglichen Sinne sein. Ebenso klar ist, dass Gerechtigkeit im Rahmen einer Machtvorstellung im Sinne einer hierarchisch geordneten Gesellschaft ebenfalls ihre Grenzen findet, wenn die in der Rangordnung untenstehenden Beteiligten von den Obenstehenden diese einfordern und es um eine gerechtere Verteilung geht. Ebenso ergeht es der Einforderung nach Menschenwürde oder Solidarität, wenn die Stellung der Obenstehenden durch eine gerechtere Verteilung der Mittel und Möglichkeiten gefährdet ist. So betrachtet sind Kriege des 20. und 21. Jahrhunderts als Kriege zwischen Mächtigen und Ohnmächtigen weltweit zu verstehen. Sie verweigern sich dem Dialog aus einem irrationalen Verständnis der Macht und auch Ohnmacht heraus und suchen im Hamsterrad der hierarchischen Machtvorstellung die Lösung ihrer Probleme.

In einem Punkt kann man aber Samuel Huntington Recht geben, dass die multikulturelle Welt als Ziel gesehen werden sollte. Das bedeutet: In der Vielfalt der Kulturen das Gemeinsame entdecken und das Andere im Rahmen einer planetarischen Ethik zu akzeptieren. Ein Mit- statt ein Gegeneinander der Menschen und ihrer vielfältigen Kulturen.

25 Nov 05

eDor@ado.org ist ein kreatives Netzwerk für einen menschenwürdigen Fortschritt. Die Teilnahme am Netzwerk ist kostenlos. Die Ziele und Visionen des Netzwerkes:

Wir suchen Menschen, denen Frieden, Demokratie und Menschenrechte, soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit, kulturelle Selbstverwirklichung, gesunde Lebensweise, Menschlichkeit, Ethik und der Schutz unserer Lebensgrundlagen am Herzen liegen.
… Menschen, die einfach nur dazugehören wollen und die der Bewegung ihre Stimme geben,
… Menschen, die ihre Ideale leben und die auf der Suche nach Gleichgesinnten und neuen Ideen sind,
… Menschen, die sich in verschiedenster Weise aktiv für unsere Zukunft engagieren.

Unsere Vision
Wir hoffen, möglichst viele Menschen von unserer Idee überzeugen zu können und als Mitstreiter zu gewinnen. Auf diese Weise kann unsere Idee Wirklichkeit werden. Vielfalt ist der Schlüssel zum Gelingen!

25 Jun 05

Die Violetten stehen für eine spirituell orientierte Politik:

Wir streben eine Gesellschaftsordnung an, in der Selbsterkenntnis durch die individuelle spirituelle Entwicklung, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Kreativität, offene Kommunikation, ökologisches Denken, Gewaltfreiheit, Freiheit im Geistesleben, Menschlichkeit im Wirtschaftsleben, Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Frau und Mann und Toleranz obenan stehen.
Da die Erde für alle Menschen die Stätte der Entwicklung zu höherem Bewusstsein ist, setzen wir uns ganz besonders für den Schutz der Natur auf allen Ebenen und den verantwortlichen Umgang mit der Erde ein.

30 Mai 05

Fair Social Creativ bietet einen ideellen und praktischen Beitrag zur Entwicklung einer fairen, demokratischen, solidarischen und rationalen, d.h. einer gemein(schafts)dienlichen Gesellschaftsordnung zu leisten. Eines sei dem geschätzten LeserIn hier vorab schon versichert: Es gibt Alternativen!
Desi hat Recht! Diese Seite bietet wirklich eine Fälle von Ideen, Gedanken und Möglichkeiten. Ein Besuch ist wärmstens zu empfehlen.

17 Mai 05

MALMOE ist eine alltagsbegleitende Maßnahme. so beschreibt sich das Magazin selbst. Sehr interessante Artikel und Infos aus dem kulturkreativen Österreich vor der Wende, bei der in einem gestiegenen Maß an neuen Fragen ein entsprechendes an neuen Antworten entgegensteht. MALMOE ist ein Ort in Österreich, an dem die Kräfte für die Wende gesammelt werden..

16 Mai 05

Das Cybertribe-Archiv vereint vielfältige Visionen eines befreiten Lebens, es beschreibt in seinen Beiträgen Ausdrucksformen des Widerstands gegen repressive Strukturen genauso wie Möglichkeiten persönlicher Entfaltung und die Vielfalt der Wege in ein konkretes Utopia. Es will dabei keine Einheitsposition schaffen, sondern Ansätze und Perspektiven dokumentieren, sowie zur Diskussion und gegebenenfalls zur Umsetzung anregen.

Cybertribe-Visionen
Wolfgang Sterneck (Hrsg.)
Sondereinband – Nachtschatten Verlag – 1999
ISBN: 3907080459 – 23 Euro

15 Mai 05

The Positive Futures Network (PFN) and its publication YES! magazine start with the belief that we need deep change if we are to avoid the breakdown of society and the natural world.

Positive Futures Network is an independent, nonprofit organization supporting people’s active engagement in creating a just, sustainable, and compassionate world.

The PCDForum envisions human societies in which three values serve as organizing principles of public policy.

  • Justice. The just society gives first priority in allocating the human share of the sustainable renewable resource output of earth’s eco-system to assuring all people the opportunity to meet their physical needs at the level required for physical and mental good health. Progress beyond this most basic of goals is measured by indicators of social, intellectual, and spiritual advancement that reflect the quality of life, not the quantity of consumption.
  • Inclusiveness. The inclusive society assures every person the right to participate in the decisions that shape their lives and the opportunity to be a recognized and respected contributor to family, community and society. It roots power in local people and communities, and gives their rights and needs precedence over any rights and needs claimed by corporations and the institutions of the state.
  • Sustainability. The sustainable society celebrates the unity and diversity of all life and engages in a constant and conscious effort to balance human consumption and population with the needs of other life and the regenerative capacities of the eco-system. It embraces the natural obligation of human societies to protect the well-being of future generations of all species by maintaining earth’s natural capital and recognizing the rights of other species to share in the planet’s ecological space.

In the belief that voluntary citizen action is the necessary foundation of transformational change, the Forum works with and through other civil society organizations through alliance building, educational outreach, and the articulation of a shared vision.

6 Apr 05

Hannelore Vonier hat einige Websites im Netz, die von Frieden und der Vorstellung einer besseren Welt handeln, die aufklären und Hintergründe aufdecken. Bei allen lohnt sich der Besuch mehr als einmal:
hannelore.org ist eher privater Natur
matriarchat.net bietet eine Fälle zur Matriarchatsforschung
frauensprache.com – eine andere Sprache ist möglich
Paradigmawechsel.com – es geht auch anders

Im Übrigen schreibt sie auch:
Warum Frauen immer schön sein müssen und wie sie damit umgehen können Hannelore Vonier
Broschiert – VONIER, HANNELORE -11/1999
ISBN: 3980385272 – 15,00 Euro

5 Feb 05

In New Political Compass beschreibt Paul H. Ray die Entstehung einer neuen politischen Einordnung, die ähnlich wie die Kulturell-Kreativen aus all den neuen sozialen und bewusstseinsfördernden Bewegungen der letzten vierzig Jahre entstanden ist.

Interessante Lektüre, die zeigt, dass die bisherige Einteilung von linken und rechten politischen Einstellungen nicht mehr zutrifft. Der New Political Compass ist in englischer Sprache als PDF-Datei verfügbar.

Der Soziologe Paul H. Ray und die Psychologin Sherry Ruth Anderson haben den Begriff Cultural Creatives geprägt. Ihre Website culturalcreatives.org informiert über die Kulturell-Kreativen, über ihre Arbeit und das Buch The Cultural Creatives. Bisher das einzige fundierte Buch über die Subkultur Cultural Creatives. Sehr interessante Lektüre mit vielen AHA-Effekten.

The Cultural Creatives
How 50 Million People Are Changing the World
Paul H. Ray, Ruth Anderson
Taschenbuch – 384 Seiten – Three Rivers Press (CA) – 2001
ISBN: 0609808451 – 13,95 Euro